• tom28767

Wir müssen (leider) aufrüsten.

Dass das Fehlen militärischer Optionen den politischen Handlungsspielraum einschränkt, ist ein alter Hut. Wer diese unbequeme Wahrheit nicht akzeptieren will, sollte zur Zeit sehr genau nach Afghanistan schauen.



Wird sich das bestätigen, was heute morgen um 11.00 Uhr aus dem ARD-Studio in Hamburg nach draussen drang, dann stellt Deutschland 100 Millionen Euro an humanitärer Hilfe für die Taliban zur Verfügung. Was natürlich nichts anderes heisst, dass man mit dieser Summe von den Gotteskriegern die restlichen Ortskräfte und Deutsche aus Afghanistan freikauft, die man aus aussenpolitischer Schusseligkeit nicht rechtzeitig genug abgezogen hat. Einmal davon abgesehen, dass dieses Geld nicht denjenigen gehört, die es gerade schnell und großzügig an die Taliban verteilen, birgt eine solche „Scheckbuchdiplomatie“ natürlich die Gefahr der permanenten Wiederholung: Dort wo kein Wachhund ist, kann man als Krimineller gut einsteigen.


Deutschland hat in der Regierungszeit von Angela Merkel seine Armee in noch nie dagewesener Form vernachlässigt. Merkel ist ihrer Verpflichtung als Bundeskanzlerin definitiv nicht nachgekommen für die äussere Sicherheit des Landes zu sorgen. Im Gegenteil: Sie hat sie, zusammen mit ihren Ministern, regelrecht vergammeln lassen. Wer dies nicht glaubt, darf sich gerne die Rüstungsberichte der letzten fünf Jahre durchlesen. Und sich danach einen Bericht von Report Mainz vom Februar letzten Jahres anschauen.

Eine Armee ist nicht dazu da, für die Versäumnisse der Aussenpolitik den Kopf hinzuhalten. Sie sollte vielmehr, unter anderem, von der Politik in die Lage gebracht werden, energisch einzuschreiten, wenn Bundesbürger, deren Angehörige oder Unterstützer durch feindliche, militärische Manöver in Lebensgefahr sind. Die Bundeswehr ist dies leider nachweislich nicht.

Was soll man von einer Regierung halten, die fast schon totalitär eine trügerische, medizinische Sicherheit im Land einfordert, aber die äussere Sicherheit seit mehr als einem Jahrzehnt vernachlässigt ?


Es war zu erwarten, dass sich sofort die Rufe nach dem Ausbau einer europäischen Armee häufen, nachdem das deutsche Desaster in Afghanistan sichtbar wurde. Das Dumme an dieser Idee: Sie ist einem genau so hohen bürokratischem Procedere unterworfen, wie die europaweite Abschaffung der Glühbirne. Also könnte man frühestens in fünf Jahren mit ersten beschlussfähigen Übereinkünften der Mitgliedsländer rechnen.

Das Rufen nach dem Beistand des starken Partners aus Amerika ist, nicht nur wegen Trump, schon länger erstickt. Letzter Beweis dürfte Joe Bidens katastrophale Fehlentscheidung sein, den Taliban kampflos das Feld zu überlassen. Was machen wir, wenn ein zukünftiger amerikanischer Präsident plötzlich meint, Deutschland räumen zu müssen?


Wir sollten uns also, trotz unserer fatalen jüngeren Geschichte, militärisch wieder auf uns selbst besinnen. Wir sollten beschliessen, dass deutsche Soldaten in erster Linie zur Verteidigung im eigenen Land oder zur Befreiung malträtierter Bundesbürger im Ausland eingesetzt werden dürfen. Deutschland kann sich nicht am Hindukusch verteidigen, solange es nicht einmal genügend einsatzfähige Jets hat, um effektiv den eigenen Luftraum zu schützen.


Der Beruf des Soldaten sollte in unserem Land besser bezahlt und gewürdigt werden. Es sollte deutlich mehr in die Ausrüstung unserer Streitkräfte investiert werden. Und es sollten nur diejenigen Politiker Verteidigungsminister werden, die den beruflichen Background und die Kraft für so eine hochspezielle Verantwortung in sich tragen.

Das Wichtigste aber dürfte sein, unsere Bevölkerung über die unzeitgemässe und leider oft unrealistische Appeasement-Politik der Vergangenheit aufzuklären. Denn die hatte, allen Beteuerungen der Politik zum Trotz, nur einen Sinn: Geld zu einzusparen.


Ein Trost für die durch Aufrüstung entstehenden Mehrkosten dürfte es sein, dass eine wehrhafte Bundesrepublik in Zukunft in einer vergleichbaren Lage wie heute in Afghanistan, durch eine starke Luftwaffe und motivierte Special Forces seine Bürger und Verbündeten ohne eine Zahlung von 100 Millionen Euro sicher und schnell aus einer brenzligen Situation befreien könnte.

435 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen